Auf dem Kocherlball

Ich hatte sie ja gestern schon angekündigt, meine Bilder vom Kocherlball. Der Ball ist eine alte Münchner Tradition, seit 1989 findet er wieder regelmäßig einmal im Jahr statt. Die Abendzeitung erklärt: Im 19. Jahrhundert versammelten sich an schönen Sommersonntagen die Dienstboten – die „Kocherl“ – zum Tanz. Sie kamen in aller Frühe, weil sie danach bei ihren Herrschaften Dienst tun mussten. Wegen des Sittenverfalls verbot die Obrigkeit die Bälle Anfang des 20. Jahrhunderts. Getanzt haben gestern früh die wenigsten, aber schön ausgesehen die meisten: Herausgeputzt in Dirndl oder Lederhosen oder auch in historischen Gewändern. Eine Schau! Wir sind um halb sechs durch die menschenleere Stadt dorthin geradelt und kamen am malerischen Hofgarten vorbei:

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Der Hofgarten mit dem Dianatempel, im Hintergrund die Theatinerkirche.

Dann hinein in den Englischen Garten, der noch schöner wäre am frühen Morgen, wenn nicht so viele Saubären nachts ihren Müll dort „vergessen“ würden. Wirklich schade. Die Überbleibsel der sommerlichen Partynächte werden zwar morgens immer gleich wieder von einem Aufräumkommando entfernt – aber kann man seine Pizzakartons, Bierflaschen und sonstige Reste nicht einfach selbst mitnehmen oder in den nächsten Papierkorb schmeißen? Ist ja eigentlich nicht so schwer. Nunja.
An den Eingängen zum Chinesischen Turm haben Security-Leute dann die Taschen kontrolliert, weil es nicht erlaubt ist, eigene Getränke mitzubringen. Essen aber durchaus, das ist schließlich gute alte Biergarten-Tradition. Man kann aber auch leckere Auszogne (Schmalzgebäck), Weißwürste oder Kaiserschmarrn dort bekommen. Wenn man bereit ist, dafür eine halbe Stunde anzustehen…
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München, ein Sommermärchen: Der Kocherlball am Chinesischen Turm
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Rund 12000 Menschen waren da, die meisten in Tracht
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Nicht im Bild: Die teilweise sehr tollen historischen (Dienstboten-)Kostüme
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Biergartenbesuch ohne Bier? Geht fast nicht. Stilecht ist eigentlich ein großer Kerzenständer auf dem Tisch, aber ein paar Teelichte tun’s  auch…

Da sich mir bei der Vorstellung, um sechs Uhr früh schon ein Bier zu trinken, jedoch eher der Magen umdreht, bin ich dann doch bei Kaffee geblieben. Weniger problematisch ist das Biertrinken wohl, wenn man die Nacht durchgemacht hat. Lustig war es auch so, aber beim nächsten Mal gehen wir bestimmt wieder früher hin, denn die Stimmung ist einfach besonders schön, wenn man bereits in der Dunkelheit dort ist, Kerzen anzündet und auf die Eröffnung wartet.
Eigentlich hatte ich ja ein Doppel-Programm geplant: Erst zum Kocherlball, und dann auf zum nächsten schönen Event nach Landshut, zur Landshuter Hochzeit. Aber dafür waren wir dann leider doch zu müde… Bis zur nächsten Landshuter Hochzeit müssen wir jetzt leider vier Jahre warten. Aber Kocherlball ist nächstes Jahr schon wieder.

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3 Kommentare zu “Auf dem Kocherlball

  1. Brauchtum, Tradition und Taschenkontrolle. Ich wundere mich, dass sich die veranstaltende Firma nicht schämt. Geht es denn nur noch ums Geldverdienen?

    • Taschenkontrolle aber anders: Die abgegebenen Flaschen haben im Garderoben-Manier eine Nummer bekommen, man konnte sie beim Verlassen des Geländes zurückbekommen. Nicht wie am Flughafen! Wer kann den Veranstaltern übelnehmen, dass sie Getränke verkaufen möchten? Oder denken Sie, so ein Fest organisiert sich von alleine und kostenlos?

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