Gute Seiten: Meine Oktober-Bücher

Beim „Durchblättern“ meines Kindle habe ich festgestellt, dass ich eine ganze Reihe Bücher „nachzuarbeiten“ habe, die ich in den letzten Wochen verschlungen habe. Ich bin ein Schnellleser, manchmal zu schnell, darum tut es ganz gut, ab und zu mal innezuhalten und zu rekapitulieren. Hier ein paar meiner Schätze:

Elizabeth Kelly: The Last Summer of the Camperdowns
Der Sommer ist vorbei, und dazu passt dieses traurige, spannende, düstere Buch (bislang nur auf Englisch) perfekt: Im Sommer 1972 lebt die zwölfjährige Riddle Camperdown mit ihren exzentrischen Eltern, einer charismatischen Ex-Schauspielerin und einem ambitionierten Politik-Anwärter, die sich ständig streiten, in Wellfleet, Massachusetts. Ihr Vater bewirbt sich gerade um ein politisches Amt, ihre gelangweilte Mutter trinkt, reitet und lästert. Dann wird alles anders: Riddle wird Zeugin eines Verbrechens und weiß nicht, wie sie damit umgehen soll. Sie wählt den denkbar schlechtesten Ausweg: Schweigen. Und der Sommer, an dessen Ende nichts mehr ist wie vorher, nimmt seinen Lauf. Das mitzuerleben, fand ich anfangs schrecklich quälend: Ich hätte Riddle schütteln mögen: Sag doch endlich was! Aber nach und nach stellt sich heraus, dass sie nicht die einzige ist, die ein schwarzes Geheimnis mit sich herumträgt. Spannend bis zum Schluss!

J. Courtney Sullivan: Sommer in Maine & The Engagements
Ich mag Geschichten mit multiplen Erzählperspektiven. Beide Bücher von (J.) Courtney Sullivan, Sommer in Maine und The Engagements (bislang nur auf Englisch) arbeiten damit. Der Sommer in Maine ist wie der in Massachusetts kein besonders fröhlicher, denn Geheimnisse, Gram und Feindseligkeiten machen den vier Protagonistinnen, die zu einer Familie gehören, aber unterschiedlicher nicht sein könnten, die Ferienzeit schwer. Wie ihre Leben verwoben sind und wie jede mit ihren Dämonen kämpft, hat mich gefesselt. Ein großartiger Familienroman! Bei The Engagements steigt man nicht so schnell durch, wer zu wem gehört, oder ob die Figuren überhaupt etwas miteinander zu tun haben. Die Geschichten springen durch die Zeit, aber etwas verbindet sie: Immer wieder geht es um Beziehungen, Ehe – und das dazugehörige Ritual des Verlobungsrings samt Diamant. Wie Diamanten zum (vermeintlich) unverzichtbaren Accessoire der Liebe wurden, erzählt die eingewobene Geschichte von Frances Gerety, einer Werberin, die mit dem Slogan „A Diamond Is Forever“ Werbe-Geschichte schreibt.

Meg Wolitzer: The Interestings
Über Wolitzers Buch The Uncoupling habe ich hier geschrieben. Ihr neues (bislang nur auf Englisch) gefällt mir fast noch besser. Alles beginnt – mal wieder – in einem Sommer. Es ist 1974, und in einem Sommercamp treffen sich sechs Teenager, die sich halbironisch The Interestings nennen, und deren Leben der Roman von nun an bis ins Erwachsenenalter folgt. Es geht um Begabung und was man daraus macht, um Glück und Gelegenheit, Neid und Freundschaft und die Frage, was eigentlich ein gutes, gelungenes Leben ausmacht. Ein großes Buch, hing mir noch lange nach.

Lottie Moggach: Kiss Me First
Der Titel ist irreführend: Der Roman-Erstling von Journalistin Lottie Moggach (bislang nur auf Englisch) ist keine Lovestory. Sondern das Protokoll eines ziemlich bizarren Auftrags: Computer-Nerd Leila erzählt, wie es dazu kam, dass sie die virtuelle Existenz von Tess übernahm – ihre E-Mails schrieb, ihren Facebook-Account pflegte – so dass Tess sich unbemerkt aus ihrem Leben verabschieden konnte. Verstörend, aber fesselnd. Ich bin froh, dass ich bis zum Ende drangeblieben bin!

Und dann gibt es noch die vor einer ganzen Weile versprochene Buch-Kritik von Herrn Lehmann, meinem Papa:
Kai Werksrabe: Hitler trug keine Turnschuhe
Also, vor einem Buckel-Volvo kann man schon ins Träumen kommen. In so einem Auto mal J.F. Kennedy nach Berlin chauffieren? Oder Hitler? Aber Kira irrt sich: zu Hitlers Zeiten gab es den Buckel-Volvo noch nicht. Kira irrt sich auch sonst häufig, seit sie aus ihrem Drogentief wieder heraus ist. Man könnte fast sagen, sie spinnt. Aber wie sie spinnt, das ist schon genial. Als auf einer Baustelle Turnschuhe – mit Unterschenkeln dran – ausgegraben werden, kommt Kira plötzlich eine düstere Ahnung. Die gehören doch nicht etwa…? Und dann wäre da noch Vincent. Vincent ist im Rahmen seiner Möglichkeiten ganz helle, für eine Ratte, meine ich. Nur blickt er es eben nicht, als Ratte eben. Und wird dadurch zum Helden. Aus Versehen mehr. Was sich Kai Werksrabe da ausgedacht hat und wie er es aufschreibt, also das ist schon besonders. Ein Retro-Krimi, der die 80er lebendig werden lässt, aber total schräg. Ich konnte nicht mit dem Lesen aufhören. Auch mit dem Weiterempfehlen nicht.
Hier geht’s zur Verlags-Website.

Danke, Papa, ist notiert!
Außerdem noch bei mir auf dem Nachttisch:
Zeruya Shalev: Liebesleben, Hjorth & Rosenfeldt: Der Mann, der kein Mörder war, Dina Nayeri: Ein Teelöffel Land und Meer, Max Scharnigg: Vorläufige Chronik des Himmels über Pildau
Auf dem Kindle: Sarah Pekkanen: The Best of us, Matthew Specktor: American Dream Machine
Auf der Wunschliste: Elizabeth Gilbert: Das Wesen der Dinge und der Liebe

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