Meine November-Bücher

Beim Aufwachen heute Morgen hatte ich noch Autos auf regennasser Fahrbahn gehört und mich auf einen herrlich faulen Tag auf dem Sofa mit ein, zwei guten Büchern gefreut, aber mittlerweile ist der Himmel „leider“ ziemlich blau – da muss ich wohl doch noch meine Joggingschuhe rausholen und eine Runde drehen. Gut, dass ich gerade mit dem Lesen von Deborah Morrachs „Heartbreak Hotel“ fertig geworden bin. Mehr dazu und ein paar andere Lieblinge des Monats:

Deborah Moggach: Heartbreak Hotel (deutsch: Club der gebrochenen Herzen)
Hier würde ich jederzeit wieder einchecken! So warmherzig, lustig und intelligent ist diese Geschichte um einen abgehalfterten (Ex-)Schauspieler mit ziemlich vielen Ex-Frauen. Buffy fängt mit seinen rund siebzig Jahren noch einmal ein ganz neues Leben an: Von einer ehemaligen Liebschaft erbt er das heruntergekommene Bed & Breakfast „Myrtle House“, irgendwo auf dem Land in Wales, und beschließt, dort Hausherr zu spielen. Weil die Gästezahlen nicht ganz so groß sind, wie er sich das erhofft hatte (er ist ziemlich pleite), hat er die Idee, mit verschiedenen Kursen für – so zumindest ist es anfangs gedacht – frisch Geschiedene den Betrieb anzuheizen. Buffys Geschichte wechselt die Autorin immer wieder mit Kapiteln über andere Dorfbewohner und Neuankömmlinge ab, die alle irgendwie in Buffys Kosmos ihren Platz finden. Deborah Moggach „The Best Exotic Marigold Hotel“ geschrieben (als Film einer meiner absoluten Lieblinge), und den Feelgood-Effekt, den der Film damals verschaffte, gibt einem auch dieses Buch, das man wie eine emotionale Wärmflasche mit ins Bett nehmen kann. Hach!

Alexandra Heminsley: Running Like A Girl
Diese Lektüre sollte ich vielleicht noch mal kurz hervorholen, denn danach hatte ich jede Menge Motivation, endlich wieder die Laufschuhe anzuziehen. Das Büchlein ist autobiografisch und handelt tatsächlich nur vom Laufen. Aber wie Miss Heminsley von der Couch Potato zur mehrfachen Marathonläuferin wurde, das erzählt sie so beschwingt und selbstironisch, dass es wirklich fesselt. Am Ende gibt es noch jede Menge konkrete Tipps für zukünftige (Marathon-)Läufer(innen) – Sport-BHs und Make-up werden auch gestreift – außerdem Interessantes zur Geschichte des Frauen-Marathonlaufens (erst seit 1984 olympisch!) und dessen Protagonistinnen. Ziemlich viel handelt am Ende vom Spendensammeln vor dem Lauf, was anscheinend in England gang und gäbe ist: Man lässt sich sponsern bzw. sammelt so viel Geld wie möglich für eine bestimmte Wohltätigkeitsorganisation, in deren Namen man läuft. Gute Idee! Noch eine gute Idee: die Parkruns, die in England und einigen anderen Ländern total beliebt sind: Offen für jeden, wird einmal wöchentlich ein 5-Kilometer-Lauf in einem, der Name sagt es ja schon, öffentlichen Park organisiert, alles von Ehrenamtlichen. Tolle Sache! Hier ein lustiges Video, in dem die Autorin ihr Buch vorstellt.

Katie Roiphe: In Praise of Messy Lives (deutsch: Messy Lives. Für ein unaufgeräumtes Leben)
Die amerikanische Feministin Katie Roiphe schreibt in den hier gesammelten Essays schlau, pointiert und provokant über alles, was sie interessiert: Alleinerziehende, Facebook-Sitten, Feminismus, und immer wieder: das Leben, das nie so läuft, wie man sich das eigentlich vorgestellt hatte. Ich habe das Buch verschlungen, fühlte mich davon irgendwie wie mit einer Energie-Spritze für den Kopf versorgt (so viele interessante, provokante neue Gedanken, Sichtweisen, Thesen) – musste aber zwischenzeitlich auch feststellen, dass meine Bücherbildung auf manchen Gebieten wirklich zu wünschen übrig lässt. Zumindest habe ich noch nie etwas von Susan Sontag oder Joan Didion gelesen, um die es im zweiten Teil des Buches umfangreich geht.

Jonas Jonasson: Die Analphabetin, die rechnen konnte
Ich muss etwas gestehen. Ich habe ein Buch ausgesetzt. Mitten in der Wildnis. Beziehungsweise in Puerto Rico. Dort habe ich vor der Heimreise in einem Guesthouse mit Absicht, jawohl, ganz bewusst, den hundertausend-Seiten-Wälzer „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ liegengelassen. Der Koffer war voll, das Buch schwer, und außerdem hatte es mich, ja ich gestehe es, gelangweilt. Ich fand es langatmig und ermüdend, kam nicht über die ersten 50 Seiten hinaus und konnte den Hype darum überhaupt nicht verstehen. Außerdem dachte ich, dass ich es einfach am falschen Ort gelesen habe. Jetzt möchte ich sagen: Es tut mir leid. Ehrlich. Ich würde das Buch gerne noch einmal zur Hand nehmen und ihm eine zweite Chance geben (gerne auch dabei in einer Hängematte auf Vieques liegen). Warum? Weil ich gerade in Marokko das neue Buch von Jonas Jonasson gelesen habe – und geliebt! „Die Analphabetin, die rechnen konnte“ wollte ich nicht mehr aus der Hand legen, obwohl die Story zunächst so absurd, so umständlich scheint. Aber jetzt konnte ich das genießen – und wurde mit einem großartigen Leseerlebnis belohnt. Ich könnte jetzt versuchen, den Inhalt nachzuerzählen, von der jungen Frau aus Südafrika, die sich von der Latrinenträgerin zur Atombomben-Expertin entwickelt und auf absurde Weise in Schweden landet, wo sie noch absurderen Figuren begegnet. Aber ich habe das Gefühl, dass ich diesem wunderbaren Buch damit nicht gerecht werden würde. Also besser: selber lesen! Wenn man es nacherzählt, klingt es platt und seltsam, aber beim Lesen entwickelt die skurrile Geschichte einen unwiderstehlichen Sog.

Auf dem Nachttisch: der Krimi „Der Ruf des Kuckucks“ von Robert Galbraith alias J.K. Rowling, der jetzt endlich auf deutsch erschienen ist. Außerdem angefangen: Elizabeth Gilbert: „Das Wesen der Dinge“. So, und jetzt raus vor die Tür!

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