Sonntagsbäckerei: Ein (fast) zuckerfreier Oster-Kuchen

Süß sieht er aus, oder? Der Eindruck täuscht. Dieser Kuchen ist ein Biest! Er hat mich gestern, als ich ihn gemacht habe, an den Rand der Verzweiflung gebracht. So sehr, dass ich am Schluss geschummelt habe, um ihn fertigzustellen. Aber von Anfang an: Ich wollte schon mal ein bisschen was Österliches ausprobieren, und da kamen mir die Gutes Gewissen-Rezepte aus dem Kochbuch I Quit Sugar For Life von Sarah Wilson gerade recht. Hier habe ich schon mal von ihrem ersten Buch mit zuckerfreien Rezepten erzählt, dies ist quasi die Fortsetzung. Und der Pimp-My-Sponge Easter Cake sah auch wirklich süß aus. Und gar nicht zu kompliziert. Ist er vielleicht auch nicht. Aber, und dies ist Problem Nummer 1: Man muss außer diesem einen Rezept noch zwei weitere Rezepte machen, um alle Zutaten beisammen zu haben. Und das dauert. Problem 2: Ich hasse Stevia! Vielleicht ist es nur die Marke/Version, die ich habe, aber sie schmeckt fürchterlich künstlich und lakritzig (und ich liebe normalerweise Lakritz). Das Biskuit-Stückchen, das ich frisch aus dem Ofen probiert habe, schmeckte auf jeden Fall grauenhaft. Vielleicht stimmte die Menge auch nicht, denn Sarah Wilson verwendet „granulierten“ Stevia, der ist wohl etwas gröber als der feine, den ich habe, so dass die Mengen nicht ganz stimmen. Problem 3: Die Mengen. Ach. Die Umrechnerei. Beziehungsweise habe ich gar nicht umgerechnet, sondern meistens mit den cup-Maßeinheiten gearbeitet. Aber das ist schrecklich umständlich, vor allem, wenn man klebrigen Sirup erst in einen Messbecher hineingießt, um ihn abzumessen, und dann versucht, ihn wieder herauszubekommen. Problem 4: Das „self-raising flour“, also Mehl, das bereits Backpulver enthält, hatte ich natürlich nicht, und habe deswegen vermutlich das Backpulver etwas überdosiert. Die Folge: in der Mitte des Kuchens schob sich eine Art Deckel hoch, den ich dann absäbeln musste (und ergo probieren). Vielleicht lag es aber auch am Backen mit Umluft? Ist das vielleicht bei Biskuit nicht empfehlenswert? Weiß das jemand? Nicht, dass ich das bei meinem Ofen ändern könnte, der ist standardmäßig umluftig – aber es wäre mal interessant zu wissen. Problem 5: Kakaobutter. Wird im Rezept verlangt, ist aber nirgends zu finden. Zumindest nicht in den Geschäften, die ich frequentiere. Außer in der Drogerie, da ist ja in jeder zweiten Bodylotion „echte Kakaobutter“ drin… Im Internet kann man die essbare Kakaobutter – natürlich – bestellen, habe ich jetzt gesehen, aber das war mir a) zu zeitaufwändig und b) zu teuer. Womit wir bei Problem 6 wären: Teuer ist dieser Kuchen auch: Kokosöl, Reissirup – alles sehr viel happiger als normales Öl und böser herkömmlicher Zucker. Problem 7: Die Schokolade will nicht so, wie ich will. Ich weiß nicht, woran es lag, vielleicht an der fehlenden Kakaobutter, die ich dann durch Kokosöl ersetzt habe. Auf jeden Fall wollte meine Schokolade in den Eierschalen keine appetitlich aussehende schokoladige Oberfläche bilden, sondern wurde weiß (wie Kokosöl) und sah ranzig aus. Bäh. Die schöne Schokolade war nur darunter. Was ihr auf dem Foto seht, ist daher auch leider nicht die vegane Schokolade aus dem Rezept, sondern – geschummelt! – geschmolzene Zartbitterschokolade. Und in der Sahne, die die Glasur um und auf dem Kuchen bildet, ist auch kein(e?) Stevia drin, sondern – ha! – Vanillezucker. Und die letzte Beichte für heute, Problem 8: Das Kokos-Quinoa-Nest, in dem die Eierschalen liegen, ist mir total zerbröselt. Vielleicht nicht lange genug gebacken (es war aber schon gebräunt), vielleicht nicht kalt genug aufbewahrt? Nunja, zumindest schmeckt dieser Teil des Kuchens sehr lecker, wie ich anhand der Brösel feststellen kann. Habe ich mit meiner Jammerei jetzt abgeschreckt? Ich hoffe nicht! Denn es ist doch wirklich süß, dieses Oster-Biest, oder? So sieht es bei Sarah Wilson aus:

Oster-Kuchen2

ZUCKERFREIER OSTER-KUCHEN
PIMP-MY-SPONGE EASTER CAKE
Quelle: Sarah Wilson: I Quit Sugar For Life
für 8 Stücke
Zutaten:
Nest:
3 Eiweiß
75 ml Reissirup
115 g Kokosraspeln
200 ml gekochter Quinoa
eine Prise Meersalz
Biskuit:
200 g Butter, plus extra zum Einfetten der Form
50 ml Reissirup
4 Eier (die Schalen für die Deko aufheben)
200 g Mehl (im Original „self-raising“, also bereits inklusive Backpulver. Ich habe 2 TL Backpulver genommen, das war zu viel, besser nur 1)
2 EL granulierter Stevia (ich habe Pulver genommen, davon nur 1 EL)
Deko:
1 Portion Basic Raw Chocolate (Rezept siehe unten)
1/2 Portion zuckerfreie Erdbeer Marmelade (Rezept siehe unten)
250 ml Sahne
1 TL Stevia (im Rezept: granuliert, also vom feinen Pulver auch weniger)
Osterküken/Nester als Deko
Zubereitung: 
Für das Nest Eiweiß und Sirup verrühren, dann Kokosraspeln, Quinoa und Salz unterrühren. Für eine Stunde kalt stellen. Für den Biskuit den Ofen auf 170 Grad vorheizen. Den Rand einer 20cm-Kuchenform einfetten, mit Mehl abpudern, den Boden mit Backpapier auslegen. Butter und Sirup in einem kleinen Topf bei geringer Hitze schmelzen lassen – nicht kochen! Zum Abkühlen beiseite stellen. Die Eier aufschlagen, bis die Masse leicht und fluffig ist. Das Mehl (plus Backpulver) in eine große Schüssel sieben, dann Stevia hinzufügen, dann die Butter-Sirup-Flüssigkeit. Gut vermischen. Dann die Eier unterheben. Den Teig in die vorbereitete Form füllen und auf der mittleren Schiene 30-35 Minuten backen. Aus dem Ofen nehmen und 10 Minuten in der Form, dann auf einem Gitter abkühlen lassen.
Die Eierschalenhälften gründlich unter laufendem warmem Wasser ausspülen, dabei auch die inneren Häutchen entfernen. Mit einem Küchentuch vorsichtig innen und außen abtrocknen. Die Eierschalen zurück in den Karton setzen, mit der flüssigen Schokolade (siehe Rezept unten) füllen. Im Kühlschrank oder Eisfach kühlen, bis die Masse fest ist.
Die Nest-Mischung aus dem Kühlschrank holen, ein Backblech mit Backpapier auslegen. Die Mischung auf das Backpapier häufen, so dass ein Häufchen von ca. 15 cm Durchmesser entsteht (etwas zusammenpressen, damit es hinterher nicht – wie bei mir – auseinanderfällt). Im Ofen für 20 Minuten oder so lange, bis es goldbraun ist, backen. Zum Abkühlen beiseite stellen, dann bis zum Servieren des Kuchens im Kühlschrank aufbewahren. Den abgekühlten Biskuit horizontal in der Mitte halbieren, die obere Hälfte abnehmen. Auf der unteren Hälfte die zuckerfreie Erdbeere-Marmelade (Rezept siehe unten) verteilen, dann die obere Hälfte wieder draufsetzen. Die Schlagsahne mit dem (der?) Stevia steifschlagen, dann den Kuchen damit verkleiden. Das Nest auf den Kuchen setzen, die Schoko-Eier darauf verteilen. Mit Deko-Küken dekorieren.

VEGANE SCHOKOLADE
I Quit Sugar For Life: BASIC RAW CHOCOLATE
Zutaten:
1/2 cup (ca. 100 ml) reine Kakaobutter (habe ich nirgends bekommen. Ersatzweise: 1/2 cup Kokosöl)
1/2 cup (ca. 100 ml) Kokosöl, weich
1/3 cup Kakaopulver (ohne Zucker)
1-2 EL Reissirup oder 1-2 TL granuliertes Stevia
2 Prisen Meersalz
Zubereitung:
Papierförmchen leicht einfetten oder einen großen Teller mit Backpapier auslegen (für das Rezept oben nur die Eierschalen in einen Karton setzen). In einem Topf bei geringer Hitze die Kakaobutter schmelzen, dabei gelegentlich umrühren. Vom Herd nehmen und die restlichen Zutaten einrühren, bis alles gut vermischt und eine glatte Masse ist. (Ich habe auch das Kokosöl erhitzt – vielleicht war das der Fehler?) Auf das Backpapier oder in die Förmchen gießen und im Kühlschrank oder Eisfach aufbewahren. Auch danach im Kühlschrank oder Eisfach aufbewahren, weil die Schokolade ab 22 Grad schmilzt. Wenn man die Schokolade auf Backpapier gemacht hat, einfach kleine Stücke zum Essen abbrechen.
Als Variation kann man noch Früchte, Nüsse etc. in die flüssige Schokolade geben.
In diesem Dessert-Rezept von Sarah Wilson hat das mit der Schokolade übrigens super funktioniert, das kann ich sehr empfehlen.

ZUCKERFREIE ERDBEER-MARMELADE
I Quit Sugar For Life: STRAWBERRY JAM
Zutaten:
1 cup (ca. 250 ml) Erdbeeren, frisch oder tiefgekühlt (ich habe eine 300 g-Packung Tiefkühl-Erdbeeren genommen, dann muss man aber die Mengen der anderen Zutaten auch leicht erhöhen)
1 cup Wasser (die gleiche Menge wie die Erdbeeren)
2 EL Reissirup
1 EL Chia Samen oder Marantastärke (engl. arrowroot, noch nie gehört)
Zubereitung:
Alle Zutaten in einen Standmixer geben und pürieren. Die Masse in einen Topf füllen und erhitzen, bis sie Blasen bildet. Dann die Hitze reduzieren und 3-5 Minuten einkochen, dabei ständig rühren, bis die Masse fester wird. In 1-2 Marmeladengläser abfüllen. Von diesem Rezept benötigt man die Hälfte für den Kuchen.

 

 

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6 Kommentare zu “Sonntagsbäckerei: Ein (fast) zuckerfreier Oster-Kuchen

  1. was eine Odysee! oh weh – ich weiß nicht, ob ich nicht zwischendurch den Kochlöffel hingeschmissen hätte. Hut ab, fürs Durchhalten!

    und Gratulation für dieses Meisterwerk. Optisch ein Knaller und sicherlich der absolute Hit auf der Ostertafel.

    ich denke übrigens, das Umluft dem Biskuit schadet. Es wird eher die Menge Backpulver könnte tatsächlich zu viel gewesen sein. normalerweise sagt man 15 g pro 500 g Mehl – also würde ich 7 g Backpulver bei 200 g Mehl nehmen.

    Zu Stevia habe ich ja ein generell gespaltenes Verhältnis. Wenn ich lesse, wie das Pulver hergestellt wird, kann ich mir nicht vorstellen, dass es schmecken soll – aber da darf ich mir eigentlich zumindest keine Geschmacks-Meinung erlauben, weil ich es noch nie probiert habe.

    arrowroot müsste Pfeilwurz/Pfeilwurzelstärke sein. das bekommt man auch im Reformhaus und wird viel als Bindemittel eingesetzt, insbesondere wenn man gluten-/lektin-unverträglich ist. Pfeilwurzelstärke ist geschmacksneutral und die abgegebundenen Lebensmittel bleiben klar. Wie hat Dir das abbinden mit Chia Samen gefallen bzw. das Resultat?

    Liebe Grüße und einen schönen Sonntag,
    Natalie

    • Ui, danke für den Backpulver-Tipp, das merke ich mir! Ich bin mittlerweile ein großer Chia-Fan, und die haben auch in diesem Rezept gut funktioniert. Hätte vielleicht sogar noch mehr davon nehmen können, denn ich habe ja auch die Menge der Erdbeeren vergrößert. Dir auch noch einen schönen Sonntag!

  2. Pingback: Geguckt, geklickt, gelesen | Frau Lehmann

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