Filmfest-Fieber

Das Filmfest München (das 32.) wurde am Freitag eröffnet, und ich habe mich voller Elan hineingestürzt. Ein erstes kurzes Fazit nach 2 Tagen und 798 gesehenen Filmminuten:

*Viel Spaß gemacht hat mir die deutsche Komödie „Wir sind die Neuen“ von „Shoppen“-Regisseur Ralf Westhoff, die am 17. Juli im Kino anläuft. Die Story: Drei Alt-68er (großartig gespielt von Gisela Schneeberger, Michael Wittenborn und Heiner Lauterbach) ziehen wieder zusammen in eine WG und geraten mit den Nachbarn über ihnen (drei ober-spießigen Studenten) aneinander. Witzig, unterhaltsam (ohne platt zu sein), und mit großartigen Dialoge.
Filmfest_Wir sind die Neuen
*In den Foodie-Film „Chef“ von und mit Jon Favreau sollte man keinesfalls hungrig gehen, denn der Streifen ist Food Porn pur. Aber die große Stärke dieses Films ist auch seine größte Schwäche: Es wird so ausführlich in opulenten Essens-Bildern geschwelgt, dass man davon schließlich fast ein wenig davon genervt ist, weil sie die Handlung nicht vorantreiben. Ein paar Minuten weniger hätten dem Film gut getan. Und dass Scarlett Johansson ab der Hälfte des Films komplett verschwindet, ist auch unbefriedigend. Ein deutscher Kinostart ist noch nicht bekannt, in den USA lief „Chef“ bereits im Mai an.
Filmfest_Chef
*Dann habe ich mir noch eine bitterböse französische Komödie gegeben: „Quai d’Orsay“. Ein junger Mann fängt als Redenschreiber beim französischen Außenminister an. Sein neuer Boss ist ein Schaumschläger, der mit großen (leeren) Worten nur so um sich schmeißt, jede Rede x-fach überarbeiten lässt und gerne „wichtige“ Passagen in Büchern mit neonfarbenen Markern anstreicht. Amüsant!
filmfest_QuaidOrsay
*Den Abschluss des ersten Tages bildete „Wir waren Könige“, ein Film über eine zerbröckelnde SEK-Einheit und zwei Jugendbanden, der im November ins Kino kommen soll. Ein riesiges Ensemble, jede Menge Testosteron und viel Aufwand. Aber was düstere Polizeifilme angeht, haben mich Serien wie „KDD – Kriminaldauerdienst“ oder „Im Angesicht des Verbrechens“ irgendwie noch mehr gepackt.
Filmfest_Wir waren Könige
*Düster war auch der Start in den heutigen Tag: „Matar a un hombre“, ein chilenischer Film um einen Mann, der keinen Ausweg mehr weiß, als ein Kleinkrimineller ihm und seiner Familie das Leben zur Hölle macht, als die Situation selbst in die Hand zu nehmen. Die Figuren blieben mir seltsam fern, was vielleicht auch daran lag, dass die Kamera ihnen nie nah kam, dass man ihnen wirklich in die Augen sehen konnte.
filmfest_matar
*Sehr intensiv, sehr wunderlich: Der italienische Beitrag „Le Meraviglie – Die Wunder“. Eine Familie, die ihren Lebensunterhalt mit Bienenzucht bestreitet, ein Mädchen, das langsam erwachsen wird, ein seltsames Pflegekind und eine Fernsehsendung, in der die besten Landwirte prämiert werden sollen… – so wirklich lässt sich der Inhalt dieser Geschichte nicht nacherzählen, aber das Ergebnis war berührend.
Filmfest_le-meraviglie
*Gelacht, geweint und sehr gemocht: „Bornholmer Straße“, die Geschichte des Oberstleutnant Harald Schäfer, der in Wirklichkeit „Jäger“ heißt und am 9. November 1989 als erster die Grenze öffnete. Regisseur Christian Schwochow (u.a. „Der Turm“, „Westen“) hat das mit Charly Hübner in der Hauptrolle komisch und ernst zugleich inszeniert. Toll, wie er diese Balance hinbekommen hat. Das Drehbuch haben seine Eltern Heide und Rainer Schwochow geschrieben, basierend auf dem Sachbuch „Der Mann, der die Mauer öffnete“ von Gerhard Haase-Hindenberg. Der Film wird zum 25-jährigen Mauerjubiläum 2014 in der ARD zu sehen sein. Unbedingt angucken!
Filmfest_Bornholmer Straße
*Und noch ein Highlight am Abend: „The Skeleton Twins“ mit der großartigen Kristen Wiig (kennt man aus „Brautalarm“) und ihrem Saturday Night Live-Kollegen Bill Hader. Die beiden spielen Zwillinge, die sich entfremdet haben und sich beide das Leben nehmen wollen. Wie sie sich wieder annähern und gemeinsam (und jeder für sich) die Vergangenheit aufarbeiten, ist eine großartige Mischung aus traurig und witzig. Regisseur Craig Johnson war da, um den Film zu präsentieren, und erzählte, dass er von der ersten Fassung des Drehbuchs bis zum Drehbeginn acht Jahre gebraucht hat. Die haben sich gelohnt – und wurden zu Recht mit einem Drehbuch-Preis in Sundance belohnt.
Filmfest_2Skeleton Twins

Morgen geht es weiter mit Filmegucken, ich freue mich!

 

 

Alle Bilder: Filmfest München

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2 Kommentare zu “Filmfest-Fieber

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