Filmfest-Fieber Teil 3: Around the World

Ach, jetzt ist es schon wieder rum, das Filmfest. Schön war’s! Bevor nächste Woche wieder gekocht, gebacken und gefuttert wird, hier noch schnell mein Abschlussbericht.

*Eines meiner persönlichen Highlights war Vivir Es Fácil Con Los Ojos Cerrados. Der Titel ist die spanische Übersetzung der Zeile „living is easy with eyes closed“ aus dem Beatles-Lied „Strawberry Fields Forever“. John Lennon drehte 1966 im spanischen Almería den Film „How I Won the War“. „Vivir…“, ein entzückendes Roadmovie, erzählt die Geschichte von Antonio, einem Englisch-Lehrer, der die Gelegenheit nutzen und sein Idol Lennon kennenlernen will. Auf seinem Trip in die Provinz gabelt er zwei zufällige Anhalter auf, die beide so ihre Probleme mit sich herumschleppen. Von der ersten Szene an, in der Antonio seinen Schülern mit dem Beatles-Song „Help“ („Chelp“) Englisch beibringt, war ich hin und weg. Wunderbar herzenswarm und weise. Hier gibt es den spanischen Trailer – einen deutschen Kinostart leider (noch?) nicht.
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*Ziemlich rough dagegen kommt das Leben in Algier daher, das der Episodenfilm Les Terrasses zeigt. Vom ersten bis zum letzten Aufruf zum Gebet erzählt Filmemacher Merzak Allouache in fünf Handlungssträngen Geschichten, die sich an einem Tag auf den Dachterrassen der Stadt abspielen. Harter Tobak, aber fesselnd.filmfest2_terrassses

*Und noch ein Roadmovie: Les Grandes Ondes (à l’Ouest). 1974 schickt das französischsprachige Schweizer Radio zwei Korrespondenten und einen Techniker nach Portugal, um endlich mal positive Geschichten über die Eidgenossen zu erzählen. Die Journalisten sollen zeigen, welche positiven Auswirkungen Schweizer Spenden in Portugal hatten. Viel ist davon jedoch nicht zu finden. Stattdessen stolpern sie mitten hinein in die „Nelkenrevolution“, mit der die Diktatur (ziemlich) friedlich endete. Heiter und melancholisch, eine spannende, amüsante (Zeit-)Reise. Hier der Trailer.
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*Wieder was gelernt: Den Nachnamen von Susan Sarandon spricht man ganz anders aus, als ich immer dachte – nämlich betont auf der ersten, nicht zweiten, Silbe. So sagte es zumindest der Komponist von Ping Pong Summer, der zur Vorstellung des Films da war. Sarandon spielt darin die Tischtennis-Mentorin der jugendlichen Hauptfigur Rad, und auch im echten Leben ist sie großer Fan dieser Sportart. Hübsch ausgestattet schwelgt der Film, der 1985 in Ocean City, Maryland, spielt, im 80er-Jahre-Flair. Manchmal ein bisschen zu viel des Guten, wie ausführlich die Turnschuhe, Kassettenrekorder und Boomboxen gezeigt werden. Die Handlung dagegen ist eher simpel (erste Liebe, Mobbing, Showdown an der Tischtennis-Platte), trotzdem nett.
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*Eher was fürs Fernsehen als großes Kino, dachte ich beim Anschauen von Je Fais le Mort. Gut unterhalten gefühlt habe ich mich aber allemal bei der Story um den arroganten, aber (deswegen) arbeitslosen Schauspieler Jean Renault, der dringend Geld und Arbeitstage braucht und daher einwilligt, in einer Polizei-Untersuchung in einem Ski-Ressort als Opfer den Tathergang mehrerer Morde nachzustellen. Wie er dabei den wahren Mörder findet – und eine neue Liebe – ist sehr unterhaltsam.
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*Ein Film, in dem man sich einfach verlieben muss, hieß es bei der Vorstellung von Swim Little Fish Swim. Hmmm, verliebt habe ich mich nicht, obwohl viele schöne Menschen und schöne Bilder zu sehen waren. Es geht um zwei Künstler in New York. Leeward, der mit selbstgebastelten Instrumenten schräge Songs komponiert, und die Französin Lilas, die ein paar Tage auf seiner Couch schläft und mit einer Video-Installation auf den Durchbruch hofft. Vor allem über Leeward habe ich mich geärgert: Der lehnt einen gut-dotierten Auftrag ab, einen Werbe-Jingle zu komponieren, obwohl ihn seine Frau Mary eindringlich darum bittet, endlich mal etwas zum Familien-Einkommen beizutragen. Leeward aber fürchtet, darunter könnte seine Kreativität leiden. Was für eine dämliche und egoistische Einstellung! Fand ich nicht nachvollziehbar, und das hat mir den Filmgenuss ein wenig verdorben. Wer sich selbst ein Bild machen will: Hier geht es zum Trailer.filmfest6_swim little fish

*Dokumentarisch: That Guy Dick Miller, der Titel trifft es perfekt, denn Dick Miller ist tatsächlich so ein Schauspieler, der immer „that guy“ war und ist. Hin und wieder hatte er auch eine Hauptrolle, aber meistens waren es kleine Parts, die er bekam. Aber was er darin ablieferte, war immer große Kunst. Toll, dass ihm jetzt mal gehuldigt wird und Regisseure und Kollegen seine Arbeit loben. Sehr unterhaltsamer Ritt durch die weniger bekannte Filmgeschichte, über „the greatest actor you’ve never known“. Das Projekt wurde durch Crowdfunding finanziert.
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*Abschlussfilm des Festivals war I Origins von Mike Cahill. Dass im Programmheft „Science Fiction“ stand, hätte mich fast abgeschreckt, aber ich bin froh, dass ich doch drin war. Denn vor allem ist der Film eine Geschichte der Liebe(n), wenn auch die Wissenschaft und das, was sie womöglich in Zukunft alles kann, eine große Rolle darin spielt. Molekularbiologie Ian Gray (toll: Michael Pitt) erforscht das menschliche Auge. Das Fenster zur Seele? Mit solchen (religiösen) Spekulationen hat er nicht viel am Hut. Das ändert sich, als er sich in die mysteriöse Sofi verliebt. Die Amour fou endet tragisch – aber da fängt der Film eigentlich erst richtig an. Tolle Bilder und eine fesselnde Story. (Kinostart: 25.9. 2014)filmfest2_iorigins

 Alle Bilder: Filmfest München

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2 Kommentare zu “Filmfest-Fieber Teil 3: Around the World

  1. Danke für die Zusammenfassung. Vor allem den ersten Film „Vivir…“ würde ich mir gerne im Kino anschauen. Sonst dann halt auf DVD, irgendwann mal 🙂

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