Lesefutter

Beim Heimkommen aus dem Urlaub habe ich mich vor allem auf eines gefreut: Meine eigene Küche. Endlich wieder selber kochen! Und wie günstig gute Lebensmittel hier im Vergleich zu Australien sind… Von Down Under habe ich jede Menge Kochzeitschriften mitgebracht, die ich jetzt mit Vergnügen durchblättere. Und das Thema gesunde Ernährung treibt mich um. Nach Wochen mit zu viel French Fries und anderem Junk on the road habe ich richtig Lust, wieder gut zu essen. Gute Inspiration dazu:

Auf Netflix läuft gerade die tolle Doku Cooked von und mit Michael Pollan. Pollan ist ein bekannter US-Journalist, der zahlreiche Beststeller zum Thema Ernährung verfasst hat und Ernährungsregeln ziemlich gut auf den Punkt bringt: „Eat food. Not too much. And mostly plants.“ Die vierteilige Serie „Cooked“ (hier der Trailer) basiert auf seinem gleichnamigen Buch (auf deutsch: Kochen: Eine Naturgeschichte der Transformation, erschienen im Verlag Antje Kunstmann). Pollan betrachtet menschliche Ernährung anhand der vier Elemente Feuer, Wasser, Luft und Erde. Sie sind es, die Fleisch, Gemüse oder Getreide erst in Essen und Trinken verwandeln, so Pollan: Feuer etwa beim Grillen, Wasser, indem wir damit kochen, Luft, indem es beim Backen seinen Zauber wirkt und Erde beim Fermentieren. So geht Pollan zum Beispiel in der Feuer-Folge unserer Liebe zu Gegrilltem nach und erklärt die anthropologische These, dass erst die Fähigkeit, gegartes Fleisch zu essen, dem Homo sapiens einen solchen Boost und Vorteil gegenüber anderen Spezies verschaffte, dass er sich so vehement durchsetzte und wir zu dem wurden, was wir heute sind. Wer gegartes Fleisch ist, nimmt damit auf einmal viel mehr Kalorien zu sich, viel einfacher, als mühsam nach Beeren oder Nüssen zu suchen. Und so entwickelte sich beim Homo sapiens allmählich ein viel größeres Gehirn. Rund um die Welt beobachtet Pollan, wie Menschen kochen: Aborigines in Australien, die noch wie vor tausenden von Jahren im Feuer garen, marokkanische Frauen, die allmorgendlich ihr Brot backen, oder eine kanadische Nonne, die Käse nach alten französischem Rezept herstellt. Faszinierend, wunderschön gefilmt, und lehrreich – ein starkes Plädoyer fürs Selberkochen! Pollans Buch Lebens-Mittel. Eine Verteidigung gegen die industrielle Nahrung und den Diätenwahn (Goldmann) habe ich mir jetzt auch auf den Kindle geladen und freue mich darauf, es zu lesen.

Aber vorher bin ich noch dran an First Bite von Bee Wilson. Die britische Food-Journalistin geht in ihrem Buch der Frage nach, wie unsere Essensvorlieben in der Kindheit geprägt werden – und wie man es schafft, die Lust auf Junkfood & Co. durch Lust an gesunderer Küche zu ersetzen. Ihre These: Es ist sehr wohl möglich, seinen Geschmack zu verändern und Freude an gesundem Essen zu finden, auch wenn die Vorliebe für Süßes und industriell hergestellten Mist tief verwurzelt ist, weil sie oft an so positive Kindheitserinnerungen geknüpft ist. Spannend, was sie dabei kulturhistorisch alles aufdeckt. Welche Nahrungsmittel zum Beispiel früher als nicht-kindertauglich gesehen wurden (Obst!) und was dagegen oft auf dem Speiseplan (der Kinder armer Leute) stand (altes, trockenes Brot).

Aufmerksam geworden bin ich auf Bree Wilson durch die BBC Radio 4-Sendung Food Programme, die sich in einer Folge unter anderem mit Wilsons Buch beschäftigt hat. Außerdem kam in der Sendung eine Familie zu Wort, in der der Vater an Diabetes litt und damit konfrontiert war, eventuell bald seine Füße amputiert sehen zu müssen, weil sein gesundheitlicher Zustand so schlecht war. Die Söhne haben es sich daraufhin zur Aufgabe gemacht, ihren Vater zu gesünderem Essen zu erziehen – zunächst gegen seinen erheblichen Widerstand, weil er fest davon überzeugt war, er könne nie Genuss darin sehen, und seine Essgewohnheiten seien nun einmal, wie sie sind. Das hat sich mittlerweile stark verändert, und diese Wandlung kann man nun in ihrem Dokumentarfilm Fixing Dad sehen. (ich habe ihn noch nicht geguckt, werde das aber bald tun)

Von „I Quit Sugar“-Autorin Sarah Wilson (in Deutschland heißt ihr erstes Buch „Goodbye Zucker“) habe ich hier ja schon öfter erzählt. In Australien habe ich ihr neuestes Werk, Simplicious (eine Zusammensetzung aus simple + delicious) entdeckt. In mein Gepäck passte es nicht mehr, aber nach der Rückkehr habe ich es mir gleich bestellt – und bin begeistert. Wilson ist jetzt nicht mehr nur auf der Anti-Zucker-Mission, sondern hat noch ein anderes wichtiges Anliegen: Lebensmittelverschwendung verringern. Und so erklärt sie, wie man gesunde, gemüsereiche und leckere Mahlzeiten zaubert und dabei vom Stängel bis zur Schale alles verwendet. In selbstgemachter Brühe zum Beispiel. Fleisch isst sie auch, und empfiehlt dabei, möglichst die ungeliebten, schwierigeren Teile zu kaufen. Weil sie günstiger sind – und weil so weniger Überfluss entsteht, als wenn alle immer nur Hühnerbrust oder Rumpsteak kaufen.

Außerdem endlich gelesen: Die GEO kompakt-Ausgabe Gesunde Ernährung (3/2015), die ich mir vor ewigen Zeiten mal zugelegt hatte. Interessante Artikel darin unter anderem: Psyche: Wie Essen unser Fühlen bestimmt. Und: Appetit: Was uns hungrig und satt macht.

So, und hier wird hoffentlich auch bald wieder „richtig“ gekocht, mit Rezepten und so. Es gab schon einige schöne Experimente in der Küche, aber die waren zwar lecker, aber unfotogen. Auf bald!

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4 Kommentare zu “Lesefutter

  1. Wow, das hört sich nach tollen Inspirationsquellen an – wunderbare Titel und Filme, auf die du verweist (nicht, dass ich sie schon gesehen hätte, aber sie sagen mir vom Namen her alle etwas und ich verbinde nur Lob mit ihnen). Ich finde es toll, dass du dir aus allen Richtungen neues „Futter“ im wahrsten Wortsinne holst und freue mich auf die Früchte dieser Arbeit. 🙂

    Liebe Grüße
    Jenni

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