Fernweh-Freitag: Frost & Filme

 

Wo ist diese Woche nur wieder geblieben?! Sie fing so gemütlich mit dem Feiertag am Montag (Dreikönig) an, aber dann hat irgendjemand den Turbo eingelegt, so dass ich gar nicht weiß, wo sie hingerast ist. Jetzt ist auf jeden Fall Zeit, mal wieder in die weite Welt zu schauen. Das Bild dazu: Eine kleine Spielerei mit einem Foto von Mr. B, aufgenommen vor ein paar Tagen in seinem „Büro“. Touren nach Neuschwanstein gehören zu seinem Job, und in letzter Zeit war er wieder sehr häufig dort. Die Links rund um Reisen & Co:

  • Meine liebe Ex-Kollegin Meike Winnemuth, bekannt als „Wer wird Millionär“-Gewinnerin, Weltreisende (12 Städte in 12 Monaten) und Bestseller-Autorin („Das große Los“), ist wieder on the road. Sie verbringt erneut ein Jahr in 12 verschiedenen Städten, aber diesmal nicht im Ausland, sondern in Deutschland. Erste Station: Trier. Hier geht’s zu ihrem Blog, auf dem sie ihre Erlebnisse dokumentiert. Sehr lesenswert!
  • Blogger-Kollegin Stefanie vom Gipfelglück hat jetzt auch eine Fernweh-Freitag-Rubrik mit Fotos und Reisetipps. Heute: eine Wüstenwanderung in Baja California. Gute Reise!
  • Reisen ganz anderer Art, nämlich die von Film-Charakteren, dokumentiert Künstler Andrew DeGraff in wunderschön gestalteten Landkarten: Von „Star Wars“ bis „Indiana Jones“.
  • Apropos Film: Die Oscar-Verleihung ist zwar noch ein wenig hin, aber die Vorfreude auf jeden Fall schon geweckt: The Film Stage verrät, wo man jetzt – ganz legal – die Drehbücher der wichtigsten Filme im Oscar-Rennen zum Lesen herunterladen kann. Gravitiy, The Bling Ring, Wolf of Wall Street – cool!
  • Neues Wort der Woche: polar vortex. Zu deutsch: Polarwirbel. Also die fiese Kältewelle, die gerade die USA im Griff hat. Kaum vorstellbar, dass anderswo so sehr Winter sein kann, wo es hier gerade so mild ist. Aber wenn man diese Bilder gesehen hat, glaubt man es ohne weiteres: Eingefrorene Leuchttürme auf dem Lake Michigan und die Niagara Fälle, frozen! Spektakulär. Aber jetzt wird es ja langsam wärmer.
  • US-Foodmagazin Bon Appétit hat 12 Restaurants und Bars zusammengestellt, die an große Literaten erinnern (oder sogar von ihnen frequentiert wurden): Von Hemingway’s Lounge in Los Angeles über das Hobbit Café in Houston, Texas, bis hin zur Alice im Wunderland-Hommage Alice’s Tea Cup in New York. Hier geht’s zur Slideshow.

Schönes Wochenende!

Werbeanzeigen

Fernweh-Freitag: Bücher, Berge & Botanik

Was macht der Lieblingsbruder, wenn er aus Hamburg zu Besuch nach München kommt? Bringt Franzbrötchen mit. Best Bruder ever! So konnte ich heute morgen mein Lieblingsgebäck vernaschen, das zwar Brötchen heißt, aber eigentlich eine Süßigkeit ist. Was für ein Start in den Tag: Hefeteig, Zucker, Zimt, und Butter, Butter, Butter. In den besten Franzbrötchen der Stadt, denen von Bäckerei Daube, ist, glaube ich, auch noch Marzipan drin – pure Dekadenz!
Zum Thema Franzbrötchen Familie gehört auch dieses Bild. Es ist eines der alten Dias, die mein Großvater gemacht hat, als er mit seiner Familie 1957/58 als Austausch-Professor für ein Jahr an der Southern Illinois University in den USA war. Hier zu sehen: mein kleiner Papa vor einem großen Kaktus. Weil mein Großvater jedes Dia penibel beschriftet hat, weiß ich, dass das in Texas war. Östlich der Guadalupe Mountains, auf der McComb-Ranch, um genau zu sein. Vielleicht sind diese Dias daran schuld, dass ich mit dem Reisevirus infiziert bin, auf jeden Fall aber mein Großvater, der als Paläontologe auf seinen Recherchereisen für Fossilien-Ausgrabungen fast jeden Kontinent bereist hat.

  • Apropos Fernweh: Für Mitte November habe ich jetzt einen Yoga-Urlaub in Marokko gebucht. Ich freue mich so! Und im Februar, finden Mr. B und ich, müssten wir eigentlich unbedingt mal wieder nach Kapstadt, in seine Heimatstadt. Warum man den Winter in Cape Town verbringen sollte? Die Travelettes haben dafür gleich 30 gute Gründe gefunden.
  • Gegen Reisefieber geholfen hat ganz sicher nicht der gestrige Abend mit Meike Winnemuth, die – auf ihrer Lesereise mittlerweile in München angekommen – aus ihrem Buch Das große Los vorgelesen und dazu erzählt hat. Meike Winnemuth? Ja, die Journalistin (sie war auch mal meine Chefin), die bei Günther Jauch 500000 Euro gewann und dann beschloss, ein Jahr lang in zwölf verschiedenen Städten rund um den Globus zu leben. Was sie auch getan hat. Davon handelt ihr Buch (von dem ich hier auch schon geschwärmt habe) und ihr Blog, den sie währenddessen führte. Die Lesung war rappelvoll und (bis auf anfängliche Mikrofon-Probleme) sehr unterhaltsam. Die wichtigste Botschaft des Abends: Please walk on the grass. So steht es auf einem Schild im Botanischen Garten in Sydney, und Meike bittet darum, diese Botschaft ernst zu nehmen und auch metaphorisch zu verstehen. Will heißen: sich mehr zu erlauben, mehr zu trauen, mehr zu wagen. „Es ist viel mehr möglich, als man denkt“, sagt sie. Und: „Please walk on the grass. Es werden wunderbare Dinge passieren, wenn Sie es tun.“ Für 2014 plant sie übrigens ein neues Projekt: 12 Monate in 12 deutschen Städtchen.
  • Eine super Kombi, Reisen und Schreiben. Wer das in den USA tun will: Flavorwire empfiehlt Great American Cities for Writers, alles außer New York: Chicago, Illinois, ist dabei, aber auch Bellingham, Washington und Saint Paul, Minnesota. Und einmal musste ich auch wehmütig seufzen, weil hier nämlich auch das schöne Städtchen Asheville in North Carolina empfohlen wird, in dem meine amerikanische Gastschwester Melissa wohnt. Flavorwire empfiehlt dort das Buchladen-Café Malaprop’s. Den Tipp kann ich nur unterschreiben. Dort kann man nicht nur bestens sitzen, lesen, schreiben, Kaffee trinken, sondern auch tolle Mitbringsel erstehen. Mein geliebter Magnet Yay! Dreams! stammt von dort. Und ein Shirt mit der Aufschrift Eat. Sleep. Read. Muss ich noch mehr sagen? Wenn ihr mal in der Nähe seid – unbedingt hin!
  • North Carolina zählt ja zu den Südstaaten, und wer mal da war, hatte sicherlich die ein oder andere Begegnung mit Fried Chicken. Aber dieses kulinarische Kuriosum gibt es nicht nur dort. Die Fried Chicken Road Map verrät, wo man für den fetten Snack am besten anhalten sollte.
  • Stefanie vom Gipfelglück Blog hat die (auf ihrer Seite) 10 beliebtesten Bergtouren in den Alpen zusammengestellt. Schnell noch mal in die Berge, bevor der Winter kommt!
  • Für mich nicht fern, aber vielleicht für euch: München. Irma’s World macht Lust, das neue Occam Deli in Schwabing zu testen und Harper’s Bazaar empfiehlt einen München-Cityguide für Frauen.
  • Was man beim Reisen so alles lernt: Life Lessons vom Thought Catalogue.
  • Heimdeko-Guru Martha Stewart sorgt gerade in der Blogosphäre für Aufruhr, weil sie sich in einem Interview mit Bloomberg TV recht abfällig über (Food-)Blogger geäußert hat. Zitat Martha Stewart: „Who are these bloggers? They are not editors at Vogue. … They are not experts.“ Der Amateur Gourmet hat dazu eine kluge Replik geschrieben: Whatever, Martha. Holly Becker von Decor8 argumentiert, dass man die Kritik als Ansporn nehmen sollte, noch besser zu werden und selbstbewusst zu sagen, wer man ist und wofür man steht: Who are these bloggers?
  • Apropos Meinungsverschiedenheiten: Anne vom wunderbaren Reiseblog Prêt à voyager beschreibt ein originelles Fastfood-Restaurant in Pittsburgh: Bei Conflict Kitchen gibt es Gerichte aus Ländern, mit denen die USA gerade Zwist haben – und dazu Broschüren mit Infos zu den jeweiligen Ländern. Gerade im Angebot: Iranisches Essen.
  • Zum Schluss noch etwas Versöhnliches: Schöne Landschaftsaufnahmen zum Ersten: Die Zeit zeigt schöne Island-Luftbilder aus dem Blog Iceland for 91 days. Und zum Zweiten: hier die Aufnahmen zum Wildlife Photographer of the Year. Atemberaubend!

10 Bücher, die mich begeistern

Früher wäre es mir wie Frevel erschienen, Bücher wegzuwerfen. Heute trenne ich mich viel leichter. Sie landen meistens nicht im Altpapier, sondern im Oxfam Shop oder auf Momox. Bei Harald Martenstein habe ich mal gelesen, dass er für jedes neue Buch ein altes aussortiert. Ganz so weit bin ich noch nicht. Aber ich mag seinen Gedanken, den Inhalt seines Bücherregals immer weiter einzudampfen, bis wie bei einem guten Fond nur noch die Essenz übrigbleibt. Mittlerweile stehen neue Bücher bei mir allerdings meist nicht mehr im Regal, sondern sind auf dem Kindle gespeichert. Platzmäßig super, aber was schade daran ist: Mein Bücherregal lädt nicht mehr zu Diskussionen über aktuelle Lektüren und Alltime-Favorites ein. (Und vererben kann ich die digitalen Besitztümer vermutlich auch nicht, schreibt zumindest die Zeit). Darum stelle ich meine aktuellen Lieblinge jetzt einfach mal in mein virtuelles Bücherregal. Hier sind sie:

Weil ich gerade süchtig bin nach der kanadischen Zeitreise-Serie Being Erica, hat mich die Prämisse von Kate Atkinsons Life After Life (erscheint im September auf deutsch) fasziniert: Eine Frau wird geboren, 1910. Aber nicht nur einmal, sondern wieder und wieder. Weil sie erst schon bei der Geburt stirbt, später als Kleinkind, dann als junge Frau. Und mit jeder Wiedergeburt trifft sie in Schlüsselmomenten ihres Lebens andere Entscheidungen oder andere Zufälle greifen. Spannend, wie sich dadurch ihr Weg immer wieder wandelt. Noch ein Blick in die Vergangenheit: 1913 von Florian Illies. Eine echte Fleißarbeit, wie Illies hier zusammengetragen hat, was Größen wie Sigmund Freud, Thomas Mann, Kafka, Kirchner und Konsorten in diesem einen Jahr so alles geschrieben, getan und gemalt haben. Klingt dröge? Ist es aber nicht, ganz und gar nicht. Das Buch macht Spaß. Und schlau. Weil Geschichte damit so lebendig wird. Kleine Kostprobe: „Apropos kränkelnd. Wo steckt eigentlich Rilke?“
Rauf und runter besprochen in den Feuilletons wurde ja Taiye Selasis Diese Dinge geschehen nicht einfach so – und zu Recht hochgelobt! Ich habe es auf Englisch gelesen, da heißt der Roman „Ghana must go“. Das hat mich gereizt, denn in Ghana war ich vor vielen, vielen Jahren auch schon mal. Wie Selasi das Gefühl der Zerrissenheit beschreibt, das Nirgendwohin-Gehören, das jedes Familienmitglied dieser Afropolitan Expats anders erlebt und verarbeitet, hat mich sehr berührt. Faszinierend fand ich, wie Eva Menasse (deren „Vienna“ ich schon sehr geliebt habe) in Quasikristalle die verschiedenen Facetten einer Frau von unterschiedlichen Wegbegleitern aus ihrem Leben erzählen lässt. Keine leichte Strandlektüre, eher Sparring für den Geist. Aber so fesselnd! Beispiel: „Sie küsste ihn höflich, als wäre Küssen eine exzentrische Verzierung des normalen Umgangs, nicht der zarte Beginn von etwas Überwältigendem.“
Johanna Adorjáns Meine 500 besten Freunde sind teilweise miteinander verknüpfte Kurzgeschichten, ein Kaleidoskop aus Berliner Charakteren. Böse, desillusionierend, aber großartig.
Auch wenn man – wie ich – von Baseball keine Ahnung hat, sollte man Die Kunst des Feldspiels (auf Englisch: „The Art of Fielding“) von Chad Harbach unbedingt lesen. Eins von den Büchern, bei denen man sich nicht vorstellen kann, jemals wieder ein anderes ähnlich gutes zu finden, wenn man es ausgelesen hat. Eines von den Büchern, die man vermisst, wenn sie zu Ende sind.
Buch-Empfehlungen aus dem Oprah Magazine vertraue ich eigentlich immer blind. Darum habe ich auch Still Points North. One Alaskan Childhood, One Grown-up World, One Long Journey Home von Leigh Newman gekauft. Obwohl mich Alaska eigentlich gar nicht interessiert hat. Aber wie ehrlich Journalistin Leigh Newman erzählt, wie sie als Scheidungskind zwischen ihrem Vater mit der neuen, heilen Familie in Alaska und der ständig klammen Mutter in Baltimore hin- und herpendelt, und wie sie als Erwachsene immer noch versucht, die Scherben zu kleben, das packt mich. Vielleicht weil ich auch ein Scheidungskind bin.
Lionel Shriver kennt man vermutlich von „We need to talk about Kevin“ (mit Tilda Swinton verfilmt), mir ist sie durch „The Post-Birthday World“ ein Begriff (eines meiner Lieblingsbücher). Ihr neues Buch heißt Big Brother und hat nichts mit schlechten Fernsehserien oder Überwachungsstaaten zu tun. Es geht um eine Frau, deren Bruder lebensbedrohlich übergewichtig ist und die versucht, ihm dabei zu helfen abzunehmen. Was ihre Ehe und ihre eigene Gesundheit bald ziemlich gefährdet. Traurig: Inspiration für dieses Buch war der Tod von Shrivers Bruder, der tatsächlich schwerst übergewichtig war.
Außerdem wichtig für mich: Meine liebe Freundin Jessica Kremser hat den kleinen, feinen Chiemgau-Krimi Frau Maier fischt im Trüben geschrieben. Erst hatte ich ein bisschen Angst, ihn zu lesen: Was, wenn mir ihre Schreibe nicht gefällt? Dann habe ich ihr Buch in einem Rutsch verschlungen – und mag sie jetzt noch mehr. Weil ihre Sprache toll ist, weil sie es schafft, mir eine alte Frau ganz nah zu bringen. Und weil sie es tatsächlich durchhält, auf 307 Seiten den Namen von Frau Maiers Katze nicht zu verraten (und die Katze taucht häufig auf!). Bald gibt es übrigens schon den zweiten „Frau Maier“-Krimi. Ich freu mich drauf.
Meine ehemalige Kollegin Meike Winnemuth (damals bei der Cosmopolitan) hat über ihr Jahr in 12 Städten rund um den Globus nicht nur spannend gebloggt, sondern mit ihrem Buch Das große Los noch eins drauf gesetzt. Auch wenn man, wie ich, ihr im Blog gefolgt ist, wird es nicht langweilig, das zu lesen. Reisebericht und Lebenshilfe in einem, macht es natürlich Lust, sofort die Koffer zu packen – aber man hat auch zuhause auf dem Sofa viel davon. Lieblingszitat: „Du musst nichts werden, Du bist schon was. Um herauszufinden, was das ist, dazu bist du auf der Welt. Du bist Dein eigener Zweck.“  Einfach schön.

Aktuell lese ich „The Paris Wife“ von Paula McLain („Madame Hemingway“ auf deutsch). Fängt gut an, ich werde berichten.