Sonntagsbäckerei: Buchweizen-Süßkartoffelbrot

Zwei Dinge habe ich beim Backen dieses Brotes aus Sarah Wilsons Buch „I Quit Sugar: Simplicious“ gelernt: Erstens: Ich sollte mich mehr auf meinen Kücheninstinkt als auf ein Internet-Wörterbuch verlassen. Das Wörterbuch spuckte mir für die „buckwheat groats“, die Sarah Wilson verwendet, „Buchweizengrütze“ als Übersetzung aus. Diese feinen Flocken waren erstens schwer zu bekommen und zweitens, nunja, fein. Ich dachte mir noch, dass die normalen Buchweizen(Körner), die ich sowieso im Haus hatte, vielleicht besser wären, habe die Grütze dann aber trotzdem verwendet und mich gewundert, dass der Teig so flüssig war – und blieb. Auch nach zwei Stunden im Ofen wollte und wollte daraus kein Brot werden. Ergo: Es waren doch die normalen Buchweizenkörner gemeint. Hmpf. Ich musste also ein zweites Mal ran. Dann klappte es aber.
Zweitens habe ich beim Backen dieses Brotes gelernt, dass es so etwas wie FODMAP gibt. Die Abkürzung steht für „fermentable oligo-, di- and monosaccharides and polyols“, was (laut Wikipedia) für vergärbare Mehrfach-, Zweifach- und Einfachzucker sowie mehrwertige Alkohole steht – und der Grund dafür sein könnte, dass man auf Gluten mit Unverträglichkeit reagiert, obwohl man nicht unter Zöliakie oder Weizenallergie leidet.
Dieses Rezept nimmt auf FODMAP-Empfindliche (FODMAPs?) Rücksicht und ist auch für Veganer, Menschen mit Zöliakie und Nussallergie geeignet. Sarah Wilson nennt es daher „My allergy-free bread“. Es ist dank Zwiebel und Süßkartoffel schön herzhaft und saftig – es fehlt nur, wie bei allen nicht „richtigen“ Broten, die knusprige Kruste. Ich glaube, ich muss dringend mal wieder ein Sauerteigbrot backen!

BUCHWEIZEN-SÜSSKARTOFFELBROT
My allergy-free bread
Quelle: Sarah Wilson: I Quit Sugar: Simplicious
Für 1 Laib Brot
Zutaten:
350 g Buchweizen
4 TL Chia-Samen
1 1/2 TL glutenfreies Backpulver
150 g Süßkartoffel, geraspelt
50 g Kokosnussöl
1 Zwiebel, gehackt (für FODMAPS: 2 TL Frühlingszwiebeln plus 75 g extra Süßkartoffel)
1 TL Salz
4 TL Sonnenblumenkerne
Zubereitung:
Die Buchweizenkörner in ein Sieb geben und gut abspülen. Dann in eine Schüssel geben, mit reichlich Wasser bedecken und mindestens vier Stunden (besser: über Nacht) einweichen lassen.
Den Ofen auf 160 Grad vorheizen, eine Kastenform mit Backpapier auslegen. (Anmerkung: Sarah Wilson verwendet eine 23 x 13 cm große Form – das ist etwas größer als unsere kleine Kastenform, daher habe ich lieber eine große verwendet.) Die Chia-Samen mit 250 ml in ein großes Marmeladen- oder Joghurtglas geben. Den Deckel draufgeben und alle paar Minuten schütteln, bis sich nach etwa 10 Minuten oder mehr ein Chia-Gel gebildet hat.
Den Buchweizen in einem Sieb gut abspülen und abtropfen lassen. Mit dem Chia-Gel, Backpulver, Süßkartoffel, Kokosöl, Zwiebel und Salz in einer Schüssel mischen. Anschließend portionsweise in eine Küchenmaschine geben und zu einer festen Paste zerkleinern. (Anmerkung: Wer eine so große Küchenmaschine hat, dass alle Zutaten auf einmal hineinpassen, muss sie natürlich nicht vorher in einer Schüssel mischen.) In die Kastenform füllen, die Oberfläche glattstreichen und mit Sonnenblumenkernen bestreuen. Eine Stunde backen (besser mehr: ich habe noch zwanzig Minuten draufgegeben, weil doch sehr viel Flüssigkeit im Teig ist), dann Garprobe machen. Aus dem Ofen nehmen und auskühlen lassen. Dann aus der Form nehmen und komplett auskühlen lassen, bevor man das Brot in ca. 1 cm dicke Stücke schneidet. Es soll sich im Kühlschrank 4-5 Tage halten. Man kann es auch in Scheiben geschnitten einfrieren, dann am besten immer ein kleines Stück Butterbrotpapier zwischen die Scheiben legen.

BUchweizen-Süßkartoffel3

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Lesefutter

Beim Heimkommen aus dem Urlaub habe ich mich vor allem auf eines gefreut: Meine eigene Küche. Endlich wieder selber kochen! Und wie günstig gute Lebensmittel hier im Vergleich zu Australien sind… Von Down Under habe ich jede Menge Kochzeitschriften mitgebracht, die ich jetzt mit Vergnügen durchblättere. Und das Thema gesunde Ernährung treibt mich um. Nach Wochen mit zu viel French Fries und anderem Junk on the road habe ich richtig Lust, wieder gut zu essen. Gute Inspiration dazu:

Auf Netflix läuft gerade die tolle Doku Cooked von und mit Michael Pollan. Pollan ist ein bekannter US-Journalist, der zahlreiche Beststeller zum Thema Ernährung verfasst hat und Ernährungsregeln ziemlich gut auf den Punkt bringt: „Eat food. Not too much. And mostly plants.“ Die vierteilige Serie „Cooked“ (hier der Trailer) basiert auf seinem gleichnamigen Buch (auf deutsch: Kochen: Eine Naturgeschichte der Transformation, erschienen im Verlag Antje Kunstmann). Pollan betrachtet menschliche Ernährung anhand der vier Elemente Feuer, Wasser, Luft und Erde. Sie sind es, die Fleisch, Gemüse oder Getreide erst in Essen und Trinken verwandeln, so Pollan: Feuer etwa beim Grillen, Wasser, indem wir damit kochen, Luft, indem es beim Backen seinen Zauber wirkt und Erde beim Fermentieren. So geht Pollan zum Beispiel in der Feuer-Folge unserer Liebe zu Gegrilltem nach und erklärt die anthropologische These, dass erst die Fähigkeit, gegartes Fleisch zu essen, dem Homo sapiens einen solchen Boost und Vorteil gegenüber anderen Spezies verschaffte, dass er sich so vehement durchsetzte und wir zu dem wurden, was wir heute sind. Wer gegartes Fleisch ist, nimmt damit auf einmal viel mehr Kalorien zu sich, viel einfacher, als mühsam nach Beeren oder Nüssen zu suchen. Und so entwickelte sich beim Homo sapiens allmählich ein viel größeres Gehirn. Rund um die Welt beobachtet Pollan, wie Menschen kochen: Aborigines in Australien, die noch wie vor tausenden von Jahren im Feuer garen, marokkanische Frauen, die allmorgendlich ihr Brot backen, oder eine kanadische Nonne, die Käse nach alten französischem Rezept herstellt. Faszinierend, wunderschön gefilmt, und lehrreich – ein starkes Plädoyer fürs Selberkochen! Pollans Buch Lebens-Mittel. Eine Verteidigung gegen die industrielle Nahrung und den Diätenwahn (Goldmann) habe ich mir jetzt auch auf den Kindle geladen und freue mich darauf, es zu lesen.

Aber vorher bin ich noch dran an First Bite von Bee Wilson. Die britische Food-Journalistin geht in ihrem Buch der Frage nach, wie unsere Essensvorlieben in der Kindheit geprägt werden – und wie man es schafft, die Lust auf Junkfood & Co. durch Lust an gesunderer Küche zu ersetzen. Ihre These: Es ist sehr wohl möglich, seinen Geschmack zu verändern und Freude an gesundem Essen zu finden, auch wenn die Vorliebe für Süßes und industriell hergestellten Mist tief verwurzelt ist, weil sie oft an so positive Kindheitserinnerungen geknüpft ist. Spannend, was sie dabei kulturhistorisch alles aufdeckt. Welche Nahrungsmittel zum Beispiel früher als nicht-kindertauglich gesehen wurden (Obst!) und was dagegen oft auf dem Speiseplan (der Kinder armer Leute) stand (altes, trockenes Brot).

Aufmerksam geworden bin ich auf Bree Wilson durch die BBC Radio 4-Sendung Food Programme, die sich in einer Folge unter anderem mit Wilsons Buch beschäftigt hat. Außerdem kam in der Sendung eine Familie zu Wort, in der der Vater an Diabetes litt und damit konfrontiert war, eventuell bald seine Füße amputiert sehen zu müssen, weil sein gesundheitlicher Zustand so schlecht war. Die Söhne haben es sich daraufhin zur Aufgabe gemacht, ihren Vater zu gesünderem Essen zu erziehen – zunächst gegen seinen erheblichen Widerstand, weil er fest davon überzeugt war, er könne nie Genuss darin sehen, und seine Essgewohnheiten seien nun einmal, wie sie sind. Das hat sich mittlerweile stark verändert, und diese Wandlung kann man nun in ihrem Dokumentarfilm Fixing Dad sehen. (ich habe ihn noch nicht geguckt, werde das aber bald tun)

Von „I Quit Sugar“-Autorin Sarah Wilson (in Deutschland heißt ihr erstes Buch „Goodbye Zucker“) habe ich hier ja schon öfter erzählt. In Australien habe ich ihr neuestes Werk, Simplicious (eine Zusammensetzung aus simple + delicious) entdeckt. In mein Gepäck passte es nicht mehr, aber nach der Rückkehr habe ich es mir gleich bestellt – und bin begeistert. Wilson ist jetzt nicht mehr nur auf der Anti-Zucker-Mission, sondern hat noch ein anderes wichtiges Anliegen: Lebensmittelverschwendung verringern. Und so erklärt sie, wie man gesunde, gemüsereiche und leckere Mahlzeiten zaubert und dabei vom Stängel bis zur Schale alles verwendet. In selbstgemachter Brühe zum Beispiel. Fleisch isst sie auch, und empfiehlt dabei, möglichst die ungeliebten, schwierigeren Teile zu kaufen. Weil sie günstiger sind – und weil so weniger Überfluss entsteht, als wenn alle immer nur Hühnerbrust oder Rumpsteak kaufen.

Außerdem endlich gelesen: Die GEO kompakt-Ausgabe Gesunde Ernährung (3/2015), die ich mir vor ewigen Zeiten mal zugelegt hatte. Interessante Artikel darin unter anderem: Psyche: Wie Essen unser Fühlen bestimmt. Und: Appetit: Was uns hungrig und satt macht.

So, und hier wird hoffentlich auch bald wieder „richtig“ gekocht, mit Rezepten und so. Es gab schon einige schöne Experimente in der Küche, aber die waren zwar lecker, aber unfotogen. Auf bald!

Goodbye Zucker

Auch wenn ich selbst kein komplett zuckerfreies Leben führe: Ich mag die „I Quit Sugar“-Bücher der Australierin Sarah Wilson und koche immer mal wieder etwas daraus. „I Quit Sugar“ und „I Quit Sugar for Life“ sind keine normalen Kochbücher, sondern vielmehr Wegweiser zu einem zuckerfreien Leben, wie es auch Sarah Wilson führt. Und auch wenn ich selbst noch nicht ganz „ohne“ kann, gefällt mir doch die Herangehensweise der Australierin: Die ehemalige Cosmopolitan-Chefredakteurin, TV-Moderatorin und Gastrokritikerin ist informiert, positiv und engagiert. Zum Beispiel setzt sie sich für gesundes Essen in Australiens Schulkantinen ein. Und vor allem betont sie immer wieder, wie wichtig und hilfreich es ist, möglichst oft selbst zu kochen: JERF heißt bei ihr das Schlagwort, das steht für „Just Eat Real Food“. Yes! Insofern freut es mich natürlich sehr, dass Sarah Wilson mit ihrer Mission nun endlich auch nach Deutschland kommt: Heute erscheint ihr erstes Buch auf deutsch. Unter dem Titel „Goodbye Zucker“ kommt es im Goldmann Verlag heraus. Zur Feier des Tages findet ihr hier ein paar Rezepte von Sarah Wilson, die ich hier auf dem Blog schon ausprobiert habe:
Das „I Quit Sugar“-Müsli
Geraspelter Salat
Selbstgemachte Schokolade
Zucchini-Brownies

Sonntagsbäckerei: Süßkartoffel-Brownies

Am 10. (so steht es auf der Verlags-Website) oder 11. August (so steht es in der Pressemitteilung) erscheint „Deliciously Ella“, das vegane Kochbuch von Ella Woodward, nun auch auf deutsch. Mit dem Untertitel „Genial gesundes Essen für ein glückliches Leben“ kommt es auf im Berlin Verlag heraus. Ich habe es hier ja bereits kurz vorgestellt – und hier bereits ein Rezept daraus ausprobiert. In England ist es das erfolgreichste Kochbuch des Jahres, und es hat auch die New York Times Bestseller-Liste gestürmt. Ich bin gespannt, wie es in Deutschland ankommt. Und wie es übersetzt ist. Beim ersten Reinlesen in die englische Ausgabe bin ich ein wenig über die große Anzahl an Wiederholungen des Wortes „goodness“ gestolpert. Ob Obst, Gemüse oder rohes Kakaopulver – alles voller „goodness“. Stimmt ja auch, ist aber wenig präzise. Vitamine, Antioxidantien – oder was genau macht denn nun besagte „goodness“ aus? Aber egal. Ich mag Ellas Rezepte und ihre Begeisterungsfähigkeit, ihre Freude an veganem Essen, die man auch beim Lesen ihres Blogs spürt. Und auch dieses Rezept hat mich mit dem Goodness-Overkill wieder voll und ganz versöhnt: Saftige, süße Brownies (mit Datteln und Ahornsirup nicht fruktosefrei, aber lecker). Ich habe noch ein paar Walnüsse hinzugefügt, die kann man aber auch einfach weglassen.

SÜSSKARTOFFEL-BROWNIES
Sweet Potato Brownies
Quelle: Ella Woodward: Deliciously Ella. Awesome ingredients and incredible food that your body will love
für 10-12 Brownies
Zutaten:
2 mittelgroße Süßkartoffeln (600 g)
14 saftige Datteln (Ella empfiehlt die Sorte Medjool), ohne Stein
80 g gemahlene Mandeln
100 g Buchweizenmehl
4 EL Kakaopulver, roh (wenn man normales zuckerfreies Kakaopulver verwendet, evtl. die Menge erhöhen, es ist nicht ganz so geschmacksintensiv wie das rohe)
3 EL Ahornsirup
1 Prise Salz
nach Belieben: 2 Handvoll Walnüsse, grob gehackt
Zubereitung:
Den Ofen auf 180 Grad vorheizen. Die Süßkartoffeln schälen, in Stücke schneiden und in einem Dampfgarer (oder mit ganz wenig Wasser im Topf) etwa 20 Minuten dämpfen, bis sie sehr weich sind. Dann zusammen mit den Datteln in eine Küchenmaschine (elektrischer Zerhacker) geben und pürieren, bis man einen cremigen, glatten Brei hat. Die restlichen Zutaten in eine Schüssel geben. Dann den Süßkartoffel-Dattel-Brei hinzugeben, gut mixen. Den Teig in eine mit Backpapier ausgelegte rechteckige Form (bei mir: 21 x 24 cm Kantenlänge) geben und 20-30 Minuten backen. Garprobe: Wenn kein Teig mehr an einer hineingepiksten Gabel oder einem Holzspieß kleben bleibt rausnehmen. Mindestens 10 Minuten auskühlen lassen, damit sich alles setzen kann und die Brownies beim Anschneiden nicht auseinander fallen.

Anmerkung: Brownies backe ich ziemlich oft, stelle ich gerade fest: Zum Beispiel die von Donna Hay (mit Zucker), die von Sarah Wilson (ohne Zucker, dafür mit Zucchini im Teig), die aus dem Hemsley + Hemsley-Kochbuch „The Art of Eating Well“ (mit schwarzen Bohnen) oder die von Cynthia Barcomi mit Himbeeren und Frischkäse.

Sarah Wilsons Zucchini-Brownies: ohne Mehl und (fast) ohne Zucker

Nach den dekadenten, garantiert nicht zuckerfreien Brownies von Donna Hay neulich hatte ich mir ja vorgenommen, mal etwas gesündere Brownies zu backen. Dieses Rezept von I Quit Sugar-Autorin Sarah Wilson stand dabei auch auf meiner Liste: Nicht komplett zuckerfrei (die Schokolade, die in den Teig kommt, ist gekauft und enthält etwas Zucker), dafür ohne Mehl. Gehaltvoll sind sie trotzdem, weil jede Menge Nussmus drin ist. Aber so lecker! Die Brownies sind wunderbar saftig, auch ein, zwei Tage später noch. Und dass Gemüse (in Form von geraspelten Zucchinis) drin ist, schmeckt man überhaupt nicht. Ich habe noch zwei Esslöffel Kakaopulver hinzugefügt, um den Teig etwas dunkler und Brownie-mäßiger zu machen. Ein voller Erfolg. Die gibt’s jetzt öfter!

ZUCCHINI BROWNIES
Quelle: Sarah Wilson: I Quit Sugar For Life
für 16 Stück
Zutaten:
Kokosnussöl, Butter oder Ghee zum Einfetten der Form
1 große oder 1 1/2 kleine Zucchini
1 cup (ca. 200 g) Mandelmus (oder zuckerfreie Erdnussbutter oder anderes Nussmus, gerne mit Crunch)
1 Eier
1/2 TL Vanilleextrakt
1/4 cup Reissirup
1 TL Zimt
1/4 TL Muskat
1 TL Natron
100 g dunkle Schokolade (85% Kakao), grob gehackt
2 EL Kakaopulver (zuckerfrei)
Zubereitung:
Den Ofen auf 180 Grad vorheizen und eine quadratische 23 cm-Backform einfetten. Die Zucchni(s) in eine Schüssel raspeln (oder durch die Küchenmaschine jagen), dann die restlichen Zutaten dazugeben und gut verrühren. In die Backform füllen und ca. 35 Minuten backen (oder bis die Garprobe mit einem Holzspieß zeigt, dass der Teig nicht mehr flüssig ist). In der Form abkühlen lassen, dann in 16 Stücke schneiden.
Anmerkung: Ich hatte diesmal nicht mehr genug Mandelmus, habe daher mit ein paar Pinienkernen aufgefüllt, um auf die 200 g zu kommen – sehr lecker! Walnussstückchen würden sich bestimmt auch gut darin machen. 

Mehr Zuckerfreies bei Frau Lehmann:
*Das „I Quit Sugar“-Müsli
*Vegane Schokolade
*Quinoa-Biskuit-Kuchen

Geguckt, geklickt, gelesen

In den letzten Tagen habe ich seit langem mal wieder viel Zeit mit und in der Deutschen Bahn verbracht. Und nein, ich werde jetzt nicht darüber meckern, dass die Ansage „Es werden alle Anschlusszüge erreicht“ eine Lüge ist, wenn man den ICE nach Köln zwar noch „erreicht“, aber nur noch, indem man einen Blick auf seine Rücklichter werfen kann. Nein, diese Scharte hat die nette Dame an der Info gleich wieder ausgewetzt. Was ich eigentlich sagen wollte, ist, dass ich endlich mal wieder sehr viel Zeit zum Lesen hatte – herrlich. Ein paar meiner Highlights:

  • Brigid Schulte: Overwhelmed. Work, Love And Play When No One Has The Time
    Nichts gegen einen guten Roman, aber in letzter Zeit habe ich irgendwie vermehrt Lust auf Bücher, die mich bis vor ein paar Jahren noch null interessiert haben: nämlich Sachbücher. Erlebnisberichte, Memoiren, Ratgeber – die finde ich zunehmend spannender (hier hatte ich schon mal welche vorgestellt). Vor allem, wenn sie nicht nur lehrreich, sondern auch noch gut geschrieben sind. Verschlungen habe ich zum Beispiel das Buch der Amerikanerin Brigid Schulte, Overwhelmed. Work, Love and Play When No One Has The Time. Die Journalistin startet mit ihrem eigenen Gefühl der Überforderung. Statt wirklich Zeit für die Dinge zu haben, die ihr wichtig sind (und für sich selbst), hat sie den Eindruck, ihr Alltag bestünde nur noch aus wertlosen Fetzen „Zeit-Konfetti“. Als ihr dann auch noch ein Zeitforscher erklärt, sie habe doch jede Woche 30 Stunden „Freizeit“, wird sie richtig wütend, denn ihr Leben fühlt sich überhaupt nicht so an. Vor allem, weil sie – wie sie dann im Laufe ihrer Recherche herausfindet – als Mutter sehr viel „unsichtbare“ geistige Arbeit (mental labor) in Bezug auf Kinder und Familie hat. Also z.B. nicht nur die Zeit, die sie damit verbringt, Kinder zu Hobbys oder Arztbesuchen zu chauffieren, sondern überhaupt die geistige Anstrengung, die es erfordert, all diese Termine im Kopf zu haben und zu koordinieren. Sie bearbeitet das Thema gründlich von allen möglichen Seiten, erklärt z.B. auch die historischen und politischen Hintergründe der Entwicklung hin zur Überforderung. In den USA, wo Arbeitnehmer ja sehr viel weniger Urlaubstage haben als wir in Europa (und von diesen auch noch viele einfach verfallen lassen) und Kinderbetreuung staatlich sehr viel schlechter (bis gar nicht) organisiert ist, hat das Problem noch ganz andere Dimensionen, aber die Ergebnisse, zu denen Schulte kommt, sind auch auf dieser Seite des Atlantiks spannend und lehrreich. Zum Beispiel, weil sie anregt, sich mal wieder Gedanken über die eigenen Prioritäten zu machen (womit will ich wirklich meine Zeit verbringen?). Dabei musste ich an den schönen Satz aus Gretchen Rubins Happiness Project denken: What you do every day matters more than what you do once in a while. Weiterer Denkanstoß: Sich in Partnerschaften dem Ideal der Gleichberechtigung wirklich mehr anzunähern, wenn es um Haushalt & Co. geht, auch wenn das viele und vielleicht mühsame Diskussionen erfordert. Wer mehr erfahren will: Bei goop gibt es ein längeres Interview mit Brigid Schulte (unterbrochen von anderen Beiträgen, nicht wundern) unter der Überschrift „Ending the Mommy Wars“.
  • Eve O. Schaub: Year of No Sugar
    Zuckerfrei gebacken habe ich ja schon hier und da, aber das Experiment von Eve O. Schaub geht noch sehr viel weiter: Sie hat mitsamt ihrer Familie (Ehemann und zwei Töchter) ein Jahr lang zuckerfrei gelebt – und dabei nicht nur festgestellt, in wievielen Produkten (Brot, Mayonnaise, Balsamico-Essig) unerwartet Zucker enthalten ist, sondern auch, wie sich der Geschmack verändert, wenn man längere Zeit darauf verzichtet. Und wie viel Aufwand das bedeutet (Brot backen, Tomatensoße selbst kochen etc.). Außerdem fiel ihr natürlich vermehrt auf, wie sehr Feiertage (Ostern, Weihnachten, Halloween) um den Konsum von Zucker kreisen. Um nicht völlig zu Außenseiter zu werden beziehungsweise um besser durchzuhalten, hatte Schaub übrigens mit ihrer Familie vereinbart, dass es jeden Monat einen Nachtisch oder Kuchen mit Zucker geben sollte, den abwechselnd eines der Familienmitglieder aussuchen durfte. Am Ende des Jahres waren sie dann teilweise schon gar nicht mehr in der Lage, das ganz aufzuessen, weil ihnen die Süßigkeiten mit der Zeit viel zu süß vorkamen. Nach Abschluss des Experiments lebt die Familie übrigens (anders als z.B. die Australier Sarah Wilson oder David Gillespie) nicht mehr komplett zuckerfrei, hat aber viele ihrer Gewohnheiten umgestellt und verwendet statt normalem Haushaltszucker für viele Rezepte Dextrose (Traubenzucker), also „gute“ Glucose statt der „bösen“ Fructose. Den Anstoß zu ihrem Experiment gab übrigens das Video Sugar: The Bitter Truth von US-Kinderarzt und Neuroendokrinologe Dr. Robert Lustig, einem vehementen Anti-Zucker-Aktivisten.
  • Caitlin Moran: Moranthology
    Von Caitlin Moran, einer britischen Autorin und Feministin, und ihrem Buch How to be a woman, hatte ich ja schon hier geschwärmt. Ihr zweites, Moranthology, eine Sammlung von Kolumnen, ist bislang nicht auf deutsch erschienen. Und wird es vermutlich auch nicht, weil es phasenweise sehr speziell britisch ist, sich auf britische TV-Serien, Politiker etc. bezieht. Trotzdem fand ich es sehr lesenswert, weil sie immer wieder auf ihre witzige Art aus ihrem Alltag erzählt und weil ihre TV-Kritiken fantastisch geschrieben sind. Im Moment ist sie übrigens gerade mit ihrem neuen Buch, How To Build A Girl, auf Lesereise.
  • Cheryl Strayed: Tiny Beautiful Things
    Jeder, den ich zur Zeit treffe, muss sich mein Schwärmen von diesem wunderbaren Buch anhören. Mann, ist das toll! Cheryl Strayed ist nicht nur die Autorin des Bestsellers Der große Trip. Tausend Meilen durch die Wildnis zu mir selbst (gerade mit Reese Witherspoon verfilmt), sondern auch die Frau, die unter dem Pseudonym „Sugar“ auf der Kultur-Website The Rumpus.net in der Kolumne Dear Sugar Lebenshilfe erteilt. Das klingt jetzt so banal, dabei sind Strayeds Texte alles andere als das. Sie gibt keine Kummerkasten-Tanten-Tipps, sondern nimmt die Fragen und Sorgen der Menschen, die ihr schreiben, wirklich ernst und packt bei ihren Antworten auch selbst richtig aus, erzählt zum Beispiel von ihrer gescheiterten ersten Ehe, dem Tod ihrer Mutter und anderen prägenden Lebensereignissen, die ihr helfen, das Leiden anderer besser zu verstehen. Das Ganze in einer so wunderbaren Sprache, so authentisch, wahr und wortgewaltig, dass ich beim Lesen ganz oft Tränen in den Augen hatte. Kleine und große Lebensweisheiten und -wahrheiten. Mann, ist das toll!
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    Meine Mutter wird jetzt bestimmt wieder schimpfen, dass ich wieder nur englische Bücher vorgestellt habe, aber das musste diesmal einfach sein. Sorry, Mama!