Sonntagsbäckerei: Südafrikanische Rusks

Man könnte sagen, Rusks sind so etwas wie der südafrikanische Zwieback. Aber damit würde man diesen wunderbaren Dingern einfach nicht gerecht werden. Rusks sind das, was dir auf einer frühmorgendlichen Safari, für die du in der Dunkelheit fröstelnd aufgestanden bist, den perfekten Moment noch perfekter macht: Die Sonne geht auf, der Geländewagen hält inmitten einer Landschaft mit Büschen und Bäumen, die so ganz anders aussehen als zuhause, viel poetischer. Du siehst vielleicht eine Giraffe herumwackeln oder ein paar Kudus durch die Gegend hüpfen. Jemand schenkt dir einen Kaffee aus der Thermoskanne ein und du greifst in die Metalldose, die herumgereicht wird. In den Kaffee stippen, bis das harte Ding leicht weich wird. Oder einfach an den Ecken knabbern und den süßen Teig im Mund schmelzen lassen. Viel besser geht’s nicht. Es geht auch ohne Geländewagen, ohne Tiere. Mit einem Instant-Kaffee in einer Ferienwohnung in Kysna. Oder ohne Kaffee, einfach aus dem Karton geknabbert, während du durch die Halbwüste Karoo kurvst. Als Snack am Strand im West Coast National Park. Will sagen: Wenn es einen Geschmack gibt, der für mich typisch Südafrika ist (okay, Biltong lassen wir jetzt mal außen vor), dann sind es Rusks, das traditionelle Buren-Gebäck. Südafrikaner essen sie als kleines Frühstück oder zum Kaffee. Und da sie so lange gebacken sind, bis sie vollkommen trocken sind, halten sie sich auch ewig (das war wichtig zu Zeiten, als die Voortrekker noch mit dem Planwagen das große Land durchquerten). Mein Favorit waren bislang die von Ouma, hier in einer Special Edition im Supermarkt.

Im Karoo-Krimi „Recipes for Love and Murder“, den ich diesmal entdeckt habe, backt die Protagonistin, Tannie Maria, auch ständig Rusks, um sie ihren Kolleginnen mit ins Büro zu bringen. Ihre „beskuit“ (das Afrikaans Wort für Rusks) sind allerdings eine Müsli-Variante. Mir sind sie pur lieber. Jetzt habe ich sie zum ersten Mal selbst gebacken, und Mr. B und ich sind uns einig: Sie sind perfekt. An der Form können wir noch arbeiten, aber der Geschmack von Sonne und Wärme ist schon drin. Das Rezept stammt aus dem Buch „Let’s Cook“ der Zeitschrift YOU (sowas wie die südafrikanische Bunte), das mich noch nie enttäuscht hat. Malva Pudding und Bobotie daraus waren ebenfalls toll.

SÜDAFRIKANISCHE RUSKS
Busy cook’s rusks. Aus „Let’s Cook. Top 500 Recipes“
Für 25-35 Rusks
Zutaten:
1 TL Weißweinessig
350-400 ml Milch
1 Ei, Größe L (oder zwei M)
250 g Butter oder Margarine, flüssig
1 kg Weizenmehl
2 Päckchen Backpulver
230-250 g Zucker
eine Prise Salz
Zubereitung:
Den Ofen auf 180 Grad vorheizen. Eine rechteckige Form, ca. 37 x 27 x 5 cm, einfetten. Weißwein und Milch mischen (nicht wundern: die Milch stockt dann, wie Buttermilch). Das Ei verquirlen und unterrühren. Alles mit der geschmolzenen Butter in eine Rührschüssel geben. Die trockenen Zutaten separat mischen, dann nach und nach zu den flüssigen geben. Erst mit den Rühr-, dann mit den Knethaken zu einem weichen Teig formen (ich habe eher 400 ml Milch gebraucht). Den Teig in die Form geben, gleichmäßig ausrollen. Die Oberfläche mit einem Messer in etwa fingergroße (etwas breiter) Rechtecke einritzen (das ergibt die Rusk-Form). 40 Minuten backen oder so lange, bis das Innere nicht mehr feucht ist und ein reingepiekster Holzspieß sauber wieder rauskommt. Aus dem Ofen nehmen und etwa 10 Minuten abkühlen lassen. Alles aus der Form nehmen, abkühlen lassen und dann in Einzelteile schneiden/brechen. Diese wieder auf das Blech geben und für 4 Stunden bei 100 Grad komplett trocknen lassen. In einer Keksdose o.ä. aufbewahren.

 

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„Heimat“-Abend: Südafrikanischer Ananas-Karottensalat

Gestern Abend haben wir uns endlich mal wieder zum Potluck Club getroffen. Reihum ist dabei eines der befreundeten Paare (oder wir) Gastgeber zum gemeinsamen Essen, und jedes Paar steuert einen Gang bei. Das gestrige Motto lautete „Heimat“ und wurde sehr kreativ und köstlich interpretiert. Hauptgang war ein perfekter bayerischer Schweinebraten (mit hinreißenden Knödeln und Soße), zum Nachtisch gab es fluffige böhmische Buchteln mit Vanillesauce. Mr. B und ich haben die Vorspeise gestaltet: Einen Gurkensalat, wie ihn meine Großmutter immer gemacht hat, mit frischem Dill und zuckriger Vinaigrette, und diesen Ananas-Karottensalat, der Mr. B an seine südafrikanische Heimat erinnert. Beides sehr lecker, und zusammen ebenso unterschiedlich wie harmonisch.
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Die zauberhafte Tischdeko, mit der uns die Gastgeber begrüßten

SÜDAFRIKANISCHER ANANAS-KAROTTENSALAT
Frau Lehmann (& Mr. B)
Für 4-6 Portionen
Zutaten:
500 g Karotten
3/4 frische Ananas
1-2 Handvoll Rosinen
Saft von 2 Orangen
Salz, Pfeffer
Pul Biber (oder eine andere leicht scharfe Gewürzmischung)
Zubereitung:
Karotten schälen und raspeln, die Ananas schälen, den holzigen Strunk herausschneiden und das Fruchtfleisch in kleine Stücke schneiden. Karotten, Ananas und Rosinen mit dem Orangensaft vermengen. Mit Salz, Pfeffer und „scharf“ würzen. Abschmecken und mindestens eine Stunde durchziehen lassen.

Sonntagsbäckerei: Südafrikanischer Malva Pudding

Eines gleich vorweg: Dieses süße Ofen-Dessert ist garantiert nicht zuckerfrei! Aber sehr lecker, und typisch südafrikanisch. In südafrikanischen Supermärkten bekommt man es als Backmischung, aber eigentlich ist es ganz einfach zu machen. In den vier Urlaubswochen haben wir diesen „Pudding“ bestimmt fünf, sechs Mal gegessen. Bei Pearly’s in Langebaan gibt es zum Beispiel einen sehr köstlichen. Das Besondere an diesem Nachtisch-Kuchen: Er wird direkt nach dem Backen noch mit einer süßen Sahne-Butter-Soße begossen, das macht ihn besonders saftig (und gehaltvoll, aber es ist ja Wochenende…). Im Teig ist außer Aprikosenmarmelade noch ein Teelöffel Essig, der gibt – bilde ich mir ein – eine schöne Tiefe. Im Rezept steht „brown vinegar“, aber Mr. B hat mich überzeugt, dass damit kein Balsamico Essig gemeint ist, sondern lediglich ein „nicht-weißer“ Essig (also z.B. Sherry-Essig) – und er muss es wissen, schließlich ist er Südafrikaner. Um die Dekadenz noch ein wenig auf die Spitze zu treiben, serviert man Malva traditionell mit Vanillesauce (custard) oder (leider auch seeehr lecker) mit einer Kugel Vanilleeis. Wir haben ihn gestern Abend unseren Gästen vorgesetzt, und die haben sich nicht beschwert :-). Die Bezeichnung Malva, so sagt mir Wikipedia, stammt übrigens vom Malvasia Wein, einem Dessertwein aus Madeira, der in der Kap-Region traditionell zusammen mit diesem Dessert serviert wurde. Einen schönen Sonntag euch allen!

SÜDAFRIKANISCHER MALVA PUDDING
Quelle: Rezept aus „So eet ons aan die Kaap“, zitiert im Kochbuch YOU. Let’s Cook. Top 500 Recipes von Carmen Niehaus
Anmerkung: YOU, bzw. Huisgenoot auf Afrikaans, ist eine sehr beliebte Zeitschrift in Südafrika
für 6-8 Portionen
Zutaten:
Teig:
4 TL Butter (ca. 40 g)
200 g Zucker
2 Eier
2 1/2 TL Aprikosenkonfitüre
1 TL/1 Päckchen Natron
125 ml Milch
1 TL dunkler Essig (kein Balsamico! dann lieber weißer)
175 g Mehl, gesiebt
1 Prise Salz
Soße:
250 ml Sahne
120 g Zucker (oder weniger, es ist schon arg süß)
125 g Butter (oder weniger)
125 ml kochendes Wasser
1 TL Vanilleessenz (alternativ: Vanillezucker)
Zubereitung:
Den Ofen auf 180 Grad vorheizen. Eine Auflaufform mit Butter oder Margarine einfetten (Anmerkung: ich habe eine 24 cm lange Pie-Form genommen). In einer Schüssel Butter und Zucker mit dem Mixer verrühren. Ein Ei untermixen, dann das zweite. Aprikosenmarmelade unterrühren. Natron in der Milch verrühren, dann den Essig dazugeben. Mehl und Salz vermischen. Abwechselnd Mehl und Milch in kleinen Portionen in die Butter-Zucker-Mischung rühren. Den Teig in die Form füllen und ca. 45 min backen oder so lange, bis die Garprobe mit einem Holzstäbchen zeigt, dass der Teig nicht mehr flüssig ist (evtl. nach der Hälfte der Backzeit mit Backpapier oder Alufolie abdecken, wenn er zu braun wird). Für die Soße: Alle Zutaten in einem Topf vermischen, aufkochen lassen. Die Soße über den Pudding geben, sobald er aus dem Ofen kommt. Warm mit Vanillesauce (oder Vanilleeis) servieren.